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19.03.2020 – Dass wir gerade nicht im Campervan irgendwo in Europa sitzen, liegt an einer Idee, die mir vor ziemlich genau einem Jahr kam. Ich habe beschlossen einen Teil diesen Winters außerhalb von Europa in der Sonne zu verbringen – also keine Portugal-Sonne bei 15 bis 20 Grad, sondern richtig Sonne mit Temperaturen deutlich über 25°C. Nach kurzem Überlegen fiel meine Wahl auf die wunderschöne Insel Curaçao in der Karibik und weil ich selbst so begeistert von meiner Idee war, habe ich auch ziemlich flink und weit im Voraus Flüge gebucht. Mitte Januar ging es los. Der geplante Rückflug ist Mitte April.

Hier möchte ich einfach mal ein Stimmungsbild und ein kleines Status-Update von uns geben.

Wie reagiert man hier auf das Virus?

Vom ersten Corona-Fall bis zum Einreisestopp für Menschen aus Europa verging 1 Tag und das obwohl die Insel hier zu einem riesigen Teil vom Tourismus lebt.
Bis die Schulen geschlossen haben, verging noch ein Schultag. Mittlerweile (seit 5 Tagen nach dem ersten Fall)  ist die Einreise von Nicht-Einwohnern komplett auf Eis gelegt. Es kommen nur noch Residents herein und die müssen nach der Einreise 14 Tage in Quarantäne (bei sich Zuhause).
Restaurants dürfen Essen nur noch zum Take Away anbieten und die meisten Geschäfte bleiben geschlossen. Die Supermärkte sind natürlich nach wie vor geöffnet. Die Nutzung der Strände ist unter Beachtung des Social Distancing aber weiterhin erlaubt.

Kurz: Hier werden Entscheidungen – auch unbequeme – schnell und konsequent getroffen.

Aktuell gibt es hier 2 Coronafälle. Der erste Coronapatient ist leider bereits verstorben. Es kamen allerdings seit 3 Tagen keine neuen Fälle hinzu.

Edit 02.04.2020: 

Seit dieser Woche herrscht LockDown, d.h. an die Strände darf man jetzt nicht mehr. Die Restaurants haben jetzt komplett geschlossen – auch Take Away ist nicht mehr möglich. Außerdem darf jeder nur noch 2 Mal pro Woche mit seinem Auto zum Supermarkt fahren (und überhaupt fahren). Je nach Nummernschild hat man dazu zwei feste Wochentage zugeteilt bekommen.  In den Supermarkt darf man nur noch allein. Kinder sind bereits seit 2 Wochen komplett “verboten” im Supermarkt.

Die Maßnahmen wurden wohl verschärft, weil mittlerweile ein “interner” Fall aufgetreten ist. Bisher waren die Infizierten Urlauber oder Residents, die aus Europa zurück kamen. Nun gab es aber wohl den ersten Fall einer Ansteckung AUF der Insel.

Wie gehen die Menschen mit der Situation um?

Die Menschen hier sind ruhig. Viele haben sich mit einigen Vorräten eingedeckt. Leere Supermarktregale wie in Deutschland häufig zu sehen, gibt es hier allerdings nicht. Aber auch hier wird Corona große wirtschaftliche Folgen haben. Hotels, die sonst ausgebucht sind, stehen plötzlich leer. Das gleiche gilt für Ferienwohnungen. Damit bricht eine wichtige Einnahmequelle weg. Und ähnlich wie überall sind hier natürlich auch der Einzelhandel und die Gastronomie enorm betroffen.

Unser Alltag auf Curaçao

Und wie schaut es bei uns aus? Ehrlich gesagt, merke ich keinen großen Unterschied zu unserem Alltag “vor Corona”. Wir sind nach wie vor in einem wundervollen AirBnb bei einer kleinen Familie, die ebenfalls einen Sohn hat. Das ist prima, denn so sind die Jungs nicht allein. Außerdem gibt es hier einen Pool für die kleine Erfrischung zwischendurch. 😛

Morgens gehe ich oft eine Runde laufen oder mache gemeinsam mit meinem Sohn einen Spaziergang. Danach frühstücken wir und anschließend arbeite ich etwas. Am Nachmittag fahren wir ab und zu an den Strand und am Abend sitzen wir meist noch alle etwas beisammen.

Alles in allem ist hier für uns also alles sehr entspannt. Ich genieße die Ruhe, nachdem wir letztes Jahr so viel umher gereist sind.

Warum seid ihr nicht zurück nach Deutschland geflogen?

Während der letzten Tage hat mich immer wieder die Frage erreicht, ob wir denn jetzt zurück nach Deutschland kommen. Himmel NEIN!!! Ich sag es mal ganz drastisch: Aus meiner Sicht wäre es vergleichbar mit der Idee vor 6 Wochen nach China zu fliegen. Deutschland ist ein Risikogebiet, was das Virus betrifft. Warum sollte ich also von einer soweit sicheren Insel dorthin reisen!? Das wäre doch komplett gegen die Logik. (sorry! ;P)

Hinzu kommt, dass gerade die Grenzen dicht sind und Campingplätze und Stellplätze in weiten Teilen Europas geschlossen haben. Außerdem ist eine Ausgangssperre in Deutschland nicht mehr fern. Wir würden dann also ohne eigene Wohnung in Deutschland festsitzen – das sind ehrlich gesagt nicht so coole Aussichten. ^^

Oft wird auch das Gesundheitssystem in Deutschland als Grund angegeben, dass es doch eine gute Idee wäre zurück zu kommen. Das mag im Vergleich zu vielen Ländern stimmen, aber in unserem Fall ist das kein Argument. Ich fühle mich hier auf keinen Fall schlechter aufgehoben als in Deutschland. Zudem ist das deutsche Gesundheitssystem, insbesondere im Hinblick auf das Personal und auch als Ergebnis vergangener Privatisierungen, aus meiner Sicht nicht so toll wie oft behauptet.

Außerdem muss ich ehrlich sagen, dass mir die Stimmung in Deutschland Sorgen macht. Die Reaktionen auf diese Stresssituation sind teils durchaus erschreckend..

Alles in allem geht es uns hier wie gesagt prima und für mich besteht derzeit kein Grund nach Deutschland oder Europa zu reisen.

Wie geht es weiter?

Das ist eine sehr gute Frage, die ich jetzt noch nicht beantworten kann. Offiziell dürfen wir hier erst einmal nur 3 Monate bleiben – also bis Mitte April. Ganz ursprünglich wollten wir nach diesen 3 Monaten zurück nach Europa fliegen und dann einfach unser Vanlife fortsetzen. Dieser Plan ist aber natürlich obsolet geworden. Ich hatte schon diverse Ausweich-Ideen, die aber durch immer neue Reisebeschränkungen ebenfalls nicht mehr durchführbar sind. Im Moment kommen wir nicht einmal auf die Nachbarinseln Aruba und Bonaire.
Es bleibt abzuwarten, ob die 3 Monatsregelung vielleicht außer Kraft gesetzt wird. Eine offizielle Verlängerung des Bleiberechts auf 6 Monate würde nämlich gut 1000 EUR kosten – und ehrlich: in mir sträubt sich alles so einen Batzen Geld dafür zu zahlen!

(Edit 21.03.2020 – Entgegen der Diplo-Infos vor Kurzem fliegt nach wie vor täglich eine KLM-Maschine nach Amsterdam. Ich werde jetzt also doch den offiziellen Weg der Bleiberechtsverlängerung gehen..)

Es bleibt also spannend und die nächsten Wochen werden zeigen wie es weiter geht.
Ich bin selber schon ganz gespannt!

Ein paar Gedanken zum Schluss..

In den letzten paar Tagen ist etwas passiert, von dem ich nie gedacht hätte, dass es passieren könnte: Nahezu alle Grenzen schließen und Reisefreiheit existiert quasi nicht mehr. Ich befürworte diese Maßnahmen, dennoch bin ich erschüttert, wie schnell das nun alles ging. Die jetzige Situation lag einfach vollkommen außerhalb meiner Vorstellungskraft. Der deutsche Pass, der sonst ein Garant für Privilegien und nahezu uneingeschränkte Reisefreiheit war, ist plötzlich die Eintrittskarte in eine Quarantäne, falls man doch reist. Dieser Perspektivwechsel ist durchaus schmerzhaft, aber gleichzeitig eine wichtige Lektion.

Freiheit ist nicht selbstverständlich und Sicherheit eben doch häufig eine Illusion..

Bleibt gesund und Ahoi!
Anja

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