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Zuletzt aktualisiert: Februar 2024

Veröffentlicht 10. April 2017

Ergänzt: 2023

Es gibt für meinen Sohn (5) und mich einfach keine bessere Art zu reisen als mit unserem VW-Bus Paul einen Roadtrip zu machen. Warum ich diese Form des Reisens mit Kind für perfekt halte und wieso wir alle viel öfter auf unsere Kinder hören sollten, erfährst du hier.

Unseren ersten Roadtrip zu zweit haben wir gemacht als mein Sohn 3 war. Wir waren knapp zwei Wochen in Frankreich und Holland – inklusive Paris und Amsterdam – unterwegs. Und es war großartig! Wir haben unglaublich viel erlebt und ich finde es toll, dass er sich immer noch an den Eifelturm und das Eis, das wir dort gegessen haben, erinnern kann. Das scheint ihn nachhaltig beeindruckt zu haben. 😉

Roadtrip mit Kind – was ist anders?

Ein Roadtrip ist die perfekte Möglichkeit, um im individuellen Tempo die Welt zu entdecken. Je nach Laune kann man große Städte besuchen oder eher einsame Landschaften genießen oder beides kombinieren. Auch die Tagesabschnitte lassen sich individuell – je nach Autofahr-Affinität aller Beteiligten – gestalten.

Aber wie sieht so ein Roadtrip mit Kind im VW-Bus aus? Ein paar kleine Unterschiede zu einem Roadtrip ohne Kind gibt es schon.

  • Wenn mein Sohn dabei ist, stehen wir frei in der Natur oder steuern richtige Stellplätze an, auf denen es zumindest ein kleines Stück Wiese zum Spielen gibt. Wenn ich allein unterwegs bin, stehe ich, wenn es sein muss, über Nacht auch einfach mal auf einem Park & Ride Parkplatz.
  • Die Schlafenszeiten – Ich habe es bis jetzt noch nicht geschafft, dass mein Sohn schonmal schläft, während ich noch etwas draußen sitze und vielleicht gemütlich ein Somersby trinke. Das ist sozusagen der nächste Schritt 😀 Im Moment sieht es noch so aus, dass wir uns (für mich relativ früh / für ihn relativ spät) gemeinsam hinlegen. Dank früher Nachtruhe beginnt der neue Tag dann auch immer entsprechend zeitig.. der frühe Vogel und so.
  • Kommunikation – mein Sohn ist kommunikativ, sehr kommunikativ! Egal, wo wir hinkommen, er findet garantiert Anschluss. Ältere Leute freuen sich meistens und ich hoffe jedes Mal, dass er nicht allzu peinliche Geschichten erzählt. Im Gegenzug erfährt man aber auch einiges über die Mitmenschen ;P

Die Vorteile einer Bulli-Reise

Die Vorteile, die ein Roadtrip mit dem VW-Bus mit sich bringt, liegen auf der Hand und gelten umso mehr für das Reisen mit Kind:

  • Das Bett ist immer dabei. So können wir jeden Tag an einem anderen Ort sein und haben unsere Sachen trotzdem stets an einer Stelle.
  • Es ist gemütlich
  • Wir können selbst kochen und haben sogar ein Eisfach für eine kleine Erfrischung zwischendurch. Das spart unterwegs einiges an Kosten.
  • Außerdem ist die Flexibilität kaum zu übertreffen: Da ich Stellplätze so gut wie nie reserviere, können wir immer spontan entscheiden, ob wir vielleicht an einem Ort noch länger bleiben wollen oder für den heutigen Tag genug gefahren sind und in der Nähe einen Schlafplatz suchen. Oder wir biegen spontan ab, wenn uns danach ist.
  • So viel frische Luft wie bei einem Roadtrip bekommt man sonst wohl bei keiner anderen Art von Urlaub. Bei so vielen Dingen, die es draußen zu entdecken gibt, kommt außerdem garantiert keine Langeweile auf.

Tipps für einen Roadtrip mit Kind

Immer wieder werde ich nacht Tipps für einen Campingtrip bzw. einen Roadtrip mit Kind gefragt. Here we go:

  • Nehmt euch ausreichend Zeit! In 2 Wochen nach Portugal, die Küste entlang und danach noch Spanien und Frankreich auschecken? Besser nicht. Bei einem Roadtrip ist der Weg das Ziel und diesen Weg sollte man genießen – das geht am besten, wenn man es langsam angehen lässt.
  • Plant maximal 3 Stunden Fahrt pro Tag. Mit Kind hält man sowieso häufiger an. Pipi-Pause, Hunger und oft möchte einfach etwas herumgetobt werden. Damit du dann nicht drängeln musst, weil noch soooo viel Strecke vor euch liegt, ist es besser von vornherein kürzere Etappen zu planen.
  • Legt ruhige Tage ein. So eine Tour bringt unglaublich viele Eindrücke mit sich. Damit diese verarbeitet werden können, solltet ihr auch immer mal wieder einen ruhigen Tag einlegen und auch gern mal etwas länger an einem Ort bleiben.
  • Hab immer einen Snack zur Hand! Das ist eine Art Überlebensregel! Wenn mein Sohn plötzlich Hunger hat, kann die Stimmung blitzschnell umschlagen von Sonnenschein auf Weltuntergangsstimmung. In so einem Fall zaubert man im besten Fall fertig geschnittene Äpfel, Möhren oder auch einfach ein Käsebrot hervor. Anschließend sollte die Welt wieder in Ordnung sein.
  • Mir ist laaaangweilig! Jau, auch bei einer noch so kurzen Fahrt kann plötzlich Langeweile aufkommen. Was uns hilft: Mein Sohn darf immer einen eigenen Rucksack mit Spielsachen packen. Rein kommt ein Kuscheltier, Stifte, (Aus-)Malblock, Bücher, Spielzeugautos u.ä. Das beschäftigt ihn meist sehr gut.
  • Wieviele Spielsachen sollte man mitnehmen? Weniger ist definitiv mehr. Achte am besten darauf, dass man mit den Sachen auch gut draußen spielen kann. Ich habe außerdem beobachtet, dass Kinder zwar anfangs mit ihren Spielsachen spielen, aber schon bald die Natur um sich herum und die darin enthaltenen Schätze wie Steine, Muscheln, Stöcke bevorzugen.

Tipps für Regentage

Leider scheint nicht immer die Sonne. Aber wenn ihr vorbereitet seid, kann auch ein Regentag richtig schön werden.

  • Nehmt für Regentage auf jeden Fall 2 bis 3 Spiele mit, die ihr gemeinsam spielen könnt. Tipps für handliche Spiele findest du hier.
  • Auch Malsachen sind oft eine gute Idee und sorgen eine Weile für Beschäftigung.
  • Macht einen gemütlichen Filmenachmittag – oder -Abend. Auch das darf mal sein. Macht es euch gemütlich. Evtl. die Heizung an, dazu ein Tee und dann schaut einen schönen Familienfilm während der Regen an die Fenster trommelt.
  • Nutzt die Regentage für Besorgungen. Ja, ab und an ein Regentag kann auch ganz praktisch sein. Dann ist der Supermarktbesuch kein notwendiges Übel, sondern eine willkommene Abwechslung.
  • Nutzt Regenpausen unbedingt um frische Luft zu schnappen. Wer weiß wie wie schnell der Regen wieder los prasselt – nutzt also die Gelegenheit für einen Spaziergang. Bewegungsmangel kann insbesondere bei Kindern irgendwann zu überschäumender Energie führen, die sich sonst irgendwie anders entlädt. ^^

Das Reisen mit Kind

Ein großer Vorteil vom Reisen mit Kind im Allgemeinen ist die Neugierde und Begeisterungsfähigkeit von Kindern. Mein Sohn hat oft großartige Ideen. So gibt es eine ganze Liste von Dingen, die ich auf Reisen ohne ihn nie gemacht hätte. Hier ein paar Beispiele:

  • Mich in die lange Schlange für den Eifelturm anstellen – Sohnemann wollte unbedingt nach oben.. und es war toll! Ein grandioser Ausblick und außerdem gab es super leckeres Eis
  • Erdbeeren pflücken – kaum war das Erdbeerfeld in Sicht, war der Wunsch da. So haben wir also irgendwo in Frankreich einen riesigen Korb voll leckerer Erdbeeren gepflückt.
  • Den Leuchtturm in Lindau hochsteigen.
  • Auch den Mailänder Dom hatte ich mir bisher nicht von innen angeschaut, da mich die lange Schlange immer abgeschreckt hat. Tja, die Wartezeit war am Ende kaum der Rede wert und der Dom von innen wirklich schön.
  • Die Fähre über den Rhein nehmen. Allein hätte ich die kostenlose und langweilige Brücke genutzt.
  • Eine Bootsfahrt am Rheinfall. Hätte ich ganz allein definitiv nicht gemacht, aber gemeinsam war es ein unglaublicher Spaß.
  • Eis essen in allen Lebenslagen!

Wie du siehst, ist es toll die Welt wieder ein bisschen mit den Augen eines Kindes zu entdecken. Vielleicht sollten wir alle viel öfter auf die Ideen unserer Kinder hören 🙂

Reisen mit Kind – etwas anstrengend, aber dafür unfassbar schön

Dieser Artikel ist im Rahmen einer Blogparade zum Thema „Reisen mit Baby & Kleinkind – unglaublich anstrengend oder unfassbar schön?“ von family-travel-planner.com entstanden. Um abschließend noch einmal auf die zentrale Frage der Blogparade zu kommen: Reisen mit Kind ist für mich unfassbar schön und ich sehe keinen Grund, warum man wegen Kindern auf das Reisen verzichten sollte. Allerdings ist eine Reise mit Kind, zumindest für mich, auch immer etwas anstrengender als eine Soloreise – das ist allein schon dem frühen Aufstehen geschuldet 😉

6 Jahre später…

Wow! Ist es zu fassen!? Diesen Beitrag habe ich vor 6 Jahren geschrieben! Mein Sohn ist mittlerweile 11 und wir haben das Reisen im Bulli zu unserem Lebensstil gemacht: Seit Anfang 2019 haben wir keine Steinwohnung mehr, sondern erkunden Europa mit unserem VW-Bus. Gerade sind wir auf Zypern, um einen angenehmen Winter zu haben.

Mit meiner nun doch noch etwas größeren Erfahrung möchte ich noch ein paar Punkte ergänzen, die so ein „Roadtrip-Leben“ mit sich bringt.

  • Es entstehen Erinnerungen für’s Leben – Junior kann sich z.B. immer noch an den Eiffelturm erinnern – du erinnerst dich an den Beginn dieses Beitrags? Das war unsere allererste Bulli-Reise im Alter von 3 und ich war auch noch etwas jünger. ;P
  • Man lernt unglaublich inspirierende Menschen kennen – das ist nicht nur für Erwachsene spannend auch Kinder lernen durch solche Begegnungen unglaublich viel. Zum einen Offenheit. Offenheit gegenüber Menschen mit anderen Lebenskonzepten, Offenheit für interessante Gespräche, neue Ideen und andere Wege. Zum anderen Lernen sie aus den Begegnungen und lebendigen Erzählungen mehr als in jedem Schulunterricht. Ein paar Beispiele gefällig?
    • Die tauchende Geografielehrerin: Sie erzählte über das Tauchen, Gesteinsformationen und wie Gebirge entstehen – und mein Sohn hat gebannt gelauscht – Ca. ein Jahr später hat er übrigens mit 10 Jahren seinen Tauchschein gemacht.
    • Der Unterwasserfotograf: Mit Seelenruhe hat er den Aufbau und die Funktionsweise von seinem Unterwasser Equipment erklärt. Junior holte von da an öfter seine Kamera heraus.
    • Der radelnde Weltverbesserer: Statt mit dem Camper mit dem Rad reisen? Und das um Spenden zu sammeln? Wow! Plötzlich kommt uns unser VW-Bus vor wie eine riesige Luxus-Villa. Das lehrt einmal mehr Dankbarkeit und zum anderen Respekt vor dem, was sonst noch möglich ist.
    • Und es waren über die Jahre so viel mehr Begegnungen. Jede einzelne wertvoll. Die meisten wären nicht zu Stande gekommen, wenn wir nicht im Camper reisen würden.

Was ist mit dir? Findest du Roadtrips auch so großartig? Und welche tollen Erfahrungen hast du schon mit Kindern auf Reisen gemacht?

Liebe Grüße,

Anja

PS: Hier findest du unsere liebsten Reisespiele, die bei keinem Roadtrip mit Kind fehlen dürfen.

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